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Europäische Bürgerinitiative: "Wirkungsloses Beteiligungs-Placebo"


byronv2 (CC BY-NC 2.0)Was können Europas Bürger tatsächlich bewegen, wenn sie sich für ein politisches Anliegen zusammentun? Im Bild: eine Straße im schottischen Glasgow. Foto: byronv2 (CC BY-NC 2.0)

Die EU-Kommission meint: prinzipiell funktioniert das Instrument der Europäischen Bürgerinitiative. Gerald Häfner von Democracy International widerspricht. Wie wäre die Bürgerbeteiligung in Europa zu stärken?


Ein Beitrag von Cora Pfafferott, Democracy International

Einen Tag vor dem dritten Geburtstag der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) hat die Europäische Kommission heute einen Bericht vorgelegt (Pressemitteilung), in dem sie die Anwendung der Europäischen Bürgerinitiative in den vergangenen drei Jahren, also seit ihrem Bestehen, analysiert. Dabei kommt das höchste Verwaltungsorgan der EU zu dem Schluss, dass die Europäische Bürgerinitiative funktioniere, sie aber weiterhin verbessert werden müsse. Angesichts der Tatsache, dass bisher keine einzige europäische Initiative ein EU-Gesetz geworden ist, begrüßt Democracy International die Absicht der Kommission und fordert Reformen, die der Europäischen Bürgerinitiative tatsächliche Wirkungskraft verleihen.

Hierzu erklärt Gerald Häfner, Vorstandsmitglied von Democracy International:

„In den letzten drei Jahren ist die Europäische Bürgerinitiative leider zu einem wirkungslosen Beteiligungs-Placebo verkümmert. Denn keine der 51 lancierten Initiativen hat es geschafft, EU-Gesetz zu werden. Dafür waren die Hürden einfach zu hoch. Umso mehr begrüßen wir die heute offenbarte Erkenntnis der Kommission, dass die EBI verbessert werden muss. Das ist auch dringend notwendig: Denn nur durch mehr Demokratie in Europa kann sich die EU weiterentwickeln und die Zustimmung der Menschen finden."

Das EU-Gesetz der Europäischen Bürgerinitiative (Verordnung 211/2011) schreibt vor, dass die Europäische Kommission alle drei Jahre einen Bericht vorlegen soll, um die Praxis der Europäischen Bürgerinitiative zu analysieren und wenn nötig zu verbessern. Der heute vorgelegte Bericht ist der erste, seitdem die EBI am 1. April 2012 rechtskräftig wurde.

Fakten: Die EBI in der Praxis

In den letzten drei Jahren haben EU-Bürgerinnen und Bürger 51 EU-Bürgerinitiativen gestartet. Von diesen erklärte die Europäische Kommission 20 EBIs als unzulässig. 28 EBIs scheiterten daran, mindestens eine Millionen Unterschriften aus mindestens sieben EU-Ländern (nach einem Verteilungsschlüssel) zu sammeln. Nur drei EBIs gelang dies: Die Initiative „Wasser ist ein Menschenrecht“ (für Wasser als ein öffentliches Gut), „Stop Vivisection“ (für Abschaffung von Tierversuchen) und „Einer von uns“ (gegen embryonale Stammzellenforschung) wurden bei der Europäischen Kommission eingereicht. Jedoch setzte die Europäische Kommission keine einzige Initiative in einen Gesetzesvorschlag um. Die Initiatoren der EBI „Einer von uns“ legten Klage beim Europäischen Gerichtshof mit der Forderung ein, die Kommission solle die Ablehnung der EBI „Einer von uns“ detailliert begründen.

Forderungen von Democracy International

Gerald Häfner, der sich in der vergangenen Legislaturperiode als einer von vier Berichterstattern des EU-Parlaments für eine bürgerfreundliche Bürgerinitiative eingesetzt hatte, erklärt:

„Bisher war es so: Wenn mehr als eine Millionen Bürgerinnen und Bürger eine Europäische Bürgerinitiative unterzeichnet haben, reagierte die EU-Kommission nur mit einer Stellungnahme, und im Europäischen Parlament fand eine öffentliche Anhörung statt, an der lediglich die beteiligten Ausschüsse teilnahmen. Das ist demotivierend für all jene, die eine EBI organisieren. Deshalb fordern wir mehr: Das Europäische Parlament soll im Plenum eine Europäische Bürgerinitiative anhören und später darüber abstimmen. Und die Europäische Kommission soll im Falle der Ablehnung ihren Entschluss ganz genau begründen. Nur so sehen die Bürgerinnen und Bürger, dass die Europäische Bürgerinitiative das Potenzial hat, etwas zu verändern."

Vorgeschichte der Europäischen Bürgerinitiative

Ein breites Bündnis von Demokratieaktivisten von Mehr Demokratie, dem ‚Initiative and Referendum Institute‘ (IRI Europe), der ‚ECI Campaign‘, Democracy International und weiteren Initiativen hatte erstmals Anfang des Jahrtausends direktdemokratische Elemente auf EU-Ebene gefordert. Eine Kampagne folgte während des EU-Verfassungskonvents 2002/ 2003. Die Europäische Bürgerinitiative ist das Ergebnis dieser Anstrengungen. Sie wurde 2003 im EU-Verfassungsvertrag verankert und 2009 in den EU-Lissabonvertrag aufgenommen. Seit dem 1. April 2012 können Bürgerinnen und Bürger die EBI nutzen.

Wir möchten hier auf Publixphere alle Interessierten einladen, unsere Kritik an der EBI und unsere Forderdungen zu diskutieren...


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Kommentare

  • StopTTIP ist dafür
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    Die Europäische Bürgerinitiative Stop TTIP (die mittlerweil als selbstorganisierte EBI gut 1,6 Millionen Unterstützer/innen gesammelt hat) zeigt exemplarisch, wie die EU-Kommission versucht, selbst das schwache Beteiligungsinstrument der EBI unwirksam zu machen. "Stop TTIP" wurde von der EU-Kommission abgelehnt mit den Begründungen : 1. Das Verhandlungsmandat zu TTIP sei ein interner Vorbereitungsakt und kein Rechtsakt mit Wirkung auf die Bürgerinnen und Bürger. 2. Eine EBI könne nur positiv formuliert werden. Im Klartext: Wenn es um die Verhandlung internationaler Verträge geht, will die EU-Kommission die Bürgerinnen und Bürger komplett aussperren. "Stop TTIP" klagt gegen diese Rechtsauffassung vor dem EuGH. Unabhängig vom Ausgang der Klage - die EBI muss dringend reformiert werden, damit echte Bürgerbeteiligung an der EU-Politik möglich wird.

    • Hallo StopTTIP, ich fand die Ablehnung euer EBI skandalös. Diesselben Juristen hätten auf Grundlage desselben Rechts eure Initiative zulassen können. Das ist einfach nur eine Frage der Kreativität. Da bin ich mir sehr sicher. Das war schon eine politische Entscheidung. Direkte Demokratie bitte nur, wenn uns das Ergebnis gefällt :).

  • Herzlichen Dank für all die Beiträge und Kommentare, die zwischenzeitlich eingegangen sind. Freut mich sehr zu lesen, dass die Europäische Bürgerinitiative von vielen als wichtiges Thema angesehen wird, auch wenn sie tatsächlich und leider (noch) ein sehr schwaches Instrument ist. Wir klammern uns an einen letzten Strohhalm - Heute haben wir europaweit den Aufruf "Letzte Chance für ein Europa der Bürger" gestartet. Damit werden wir den Politikern in Brüssel zeigen, dass wir Bürgerinnen und Bürger mitsprechen wollen und eine wirkungsvolle Europäische Bürgerinitiative fordern. Auf unserer Website finden Sie den Aufruf www.democracy-international.org/de

    • Hallo Democracy International (das ist doch mal eine Anrede oder?),

      ihr schreibt:

      "the citizens' initiatives must have the same impact as initiatives from the EU Parliament."

      ...und dass das volle Plenum des Europäischen Parlaments über jede erfolgreiche Inititiative abstimmen soll.

      Das wäre in der Tat ein dickes Ding! (Klaus: Was willst Du mehr?). Irre ich mich oder wäre das weit mehr an direkter Demokratie als sie unser guter alter Bundestag uns zu erlauben wagt, mit seinem kaum beachteten Petitionsausschuss bestehend aus No Names?

      Ich mag revolutionäre visionäre Vorschläge. Und das ist doch mal einer oder? Wie beim Punkt transnationale Wahlen (Manuel Müller) frage ich mich: Seht ihr irgendeine Chance, dass wir das noch mal erleben werden?

  • Eigentlich kein Wunder, wenn viele von der Europäischen Bürgerinitiative nichts wissen. Den obwohl es sich dabei um eine richtig gute und wichtige Idee handelt - Bürger können die Kommission dazu verpflichten, dass die sich mit einem bestimmten Thema befasst und möglichst eine Gesetzgebung dazu in die Wege leitet - hat die EU selber eine miserable Informationspolitik zu dem neuen Instrument gemacht. Stellt Euch vor, es wären Europa-Wahlen, und keiner erfährt davon......

    Ich habe bei einer der allerersten EBI mitgemacht, und wir mussten echt zwei komplette Medienkampagnen gleichzeitig fahren: eine, die erklärt, was eine EBI ist, und eine, in der es um unser Thema ging. Ein Alptraum!

    Allerdings wäre ich weit davon entfernt zu glauben, dass die EU absichtlich die EBI blockiert oder andere Verschwörungen im Gange sind (ja ich weiß, die EBI wurde gegen den Widerstand von vielen und erst nach zähen Verhandlungen im Lissabon-Vertrag verankert, aber trotzdem). Ich glaube viel eher, dass die stümperhafte Ausgestaltung des Gesetzes zur EBI und die gehlende Informationsarbeit der EU einfach nur auf Gleichgültigkeit und schreiender Mittelmäßigkeit basieren. Und die gibt es bei allen nationalen, lokalen und sonstwelchen Regierungen auch. Kein Grund also, an der EU speziell zu zweifeln. Aber ein Grund, sich eine bessere EBI zu erkämpfen, vielleicht auch langfristig mit echter Entscheidungskompetenz (Referendum!, das wär mein Traum!).

    Wir müssen uns die politischen Fortschritte eben überall erkämpfen. Und immerhin bedeutet die EBI eine Partizipationsmöglichkeit, von der wir in Deutschland und den meisten Ländern nur träumen können. Ich selber verfolge z.B., was die ECI campaign macht (https://www.facebook.com/citizens.initiative?sk=wall), und da kann man auch als Einzelperson aktiv werden, z.B: mit Tweets an die Abgeordneten des Europa-Parlaments. Die können die Kommission auffordern, das Gesetz zur EBI substanziell zu verbessern.

  • Clivia Conrad ist dafür
    +3

    Die erste erfolgreiche EBI überhaupt - right2water - hat ihren größten Erfolg schon vor der Anhörung in den EP-Ausschüssen und der Antwort der Kommission gehabt. Wir haben durch die Dynamik der Unterschriftensammlung den Gesetzgebungsprozess zur Konzessions-Richtlinie beeinflusst. Wir haben den Koalitionsvertrag in Deutschland beeinflusst. Es ist wichtig, auch diese Effekte zu betrachten. Die sogenannte Transparenz-Offensive der Kommission in Sachen Freihandel ist solch ein Effekt der nicht einmal registrierten EBI Stop TTIP. Dennoch muss das Instrument kritisch betrachtet werden. Wenn die Verordnung zur EBI nicht deutlich verbessert wird, bleibt sie ein Feigenblatt für mangelnde Partizipation. Die EBI-InitiatorInnen müssen von der KOM besser unterstützt werden, es muss Geld geben und das Parlament muss mit ins Boot, wenn es um die Antwort und die Folgen geht. Wer Lust hat, über unsere Erfahrungen mit der EBI in Deutschland nachzulesen, ist herzlich eingeladen: http://bit.ly/1Obu5IB

    • Hallo Clivia Conrad,

      ich habe hier schon mal in einem anderen Forum ein paar Bedenken zu right2water formuliert. Das Anliegen finde ich richtig. Nur ging es hier nicht um einen verdeckten Kampf zwischen den Vertretern einer staatlich getragenen Wasserversorgung mit der privaten Konkurrenz in Brüssel, zugespitzt "Verdi vs. Veolia"?

      Wie europäisch war die Initiative wirklich? Die meisten Unterschriften (1,2 Millionen) kamen aus Deutschland (von Verdi, nehme ich mal an) Auch wenn ich ein großer Fan öffentlicher Dienstleistungen bin, gerade im Bereich Wasserwirtschaft, hat es für mich Geschmäckle, wenn sich klassische Lobby-Interessen als "Menschenrechts"-Bürgerinitiativen tarnen.

      Und noch eine Frage: Waren Sie eigentlich mit der (für mich völlig nichtssagenden) Antwort der Kommission auf Ihre Initiative zurfrieden?

      • Clivia Conrad ist dafür
        +1

        Hallo Klaus, da war nix verdeckt. ver.di als Gewerkschaft u.a. der Menschen in der Wasserwirtschaft und die Verbände der öffentlichen Wasserwirtschaft kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Liberalisierungsabsichten der Kommission, die sicher von veolia und Suez getriggert sind. Wir haben uns entschlossen, das Anliegen dann auch zum Gegenstand einer EBI zu machen, weil es eben nicht nur ein Interesse der Gewerkschaften, sondern aller Bürgerinnen und Bürger ist, dass das öffentliche Gut Wasser in öffentlicher Hand bleibt. Auch weil sonst das Menschenrecht auf Wasser nicht zu realisieren ist. right2water hat in 14 Mitgliedstaaten das Mindestquorum überschritten. Die EBI ist also doppelt so europäisch wie die Verordnung es verlangt. In Deutschland hat ver.di die Federführung gehabt, allerdings haben von der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft bis zum Berliner Wassertisch jede Menge NGO's im Unterstützungskreis mitgearbeitet, sonst hätten wir wohl nicht so viele Unterschriften gesammelt. Die Antwort der Kommission war ausgesprochen enttäuschend. Das kam nicht ganz unerwartet. Deshalb haben wir von Vornherein geplant, die Kampagne fortzusetzen. Es ist uns u.a. gelungen, den Umweltausschuss des EP zu einem Initiativbericht zum Thema zu bewegen. Und wir bleiben weiter dran.

  • Manuel Müller Der (europäische) Föderalist
    +3

    Offen gesagt, fand ich es schon immer etwas erstaunlich, welche Hoffnungen in die EBI als Wegbereiter direkter Demokratie gesetzt wurden. Auch zur Mobilisierung einer europäischen Öffentlichkeit ist ein Instrument, das erstens so viele Schlüsselthemen von Anfang an ausschließt und zweitens zuletzt nicht in eine Abstimmung mündet, sondern nur in eine Aufforderung zur Vorlage einer Gesetzgebungsintiative, allenfalls bedingt geeignet.

    In einem Artikel auf meinem Blog Der (europäische) Föderalist kam ich deshalb schon im April 2012 zu dem Schluss, die EBI könne zwar vielleicht einen Beitrag zur Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit leisten, aber

    nicht dadurch, dass sie breite Debatten anstößt, die über die Massenmedien eine Vielzahl von Bürgern erreichen, sondern in der Art, wie sich die Zivilgesellschaft organisiert. Die EBI wird in erster Linie ein Politikinstrument werden, das die europaweiten Parteien und Verbände für ihre Zwecke nutzen können – und sie wird diesen dadurch eine wichtigere Rolle gegenüber ihren nationalen Mitgliedsorganisationen verschaffen. Das ist sicher eine gute Sache und soll uns willkommen sein. Aber der ganz große Durchbruch zur europäischen Demokratie ist es wohl nicht.

    Drei Jahre später hat sich das im Wesentlichen bestätigt. Aber ich glaube auch nicht, dass sich viel dadurch ändern würde, dass das Parlament über eine EBI künftig im Plenum diskutiert oder die Kommission ihre Ablehnung "ganz genau" begründet. Die entscheidenden Mechanismen zur Demokratisierung der EU bleiben in meinen Augen vielmehr die Stärkung des Europäischen Parlaments und eine Reform des Europawahlverfahrens. Aber das ist eine ganz andere Baustelle - und eine EBI zur Einführung eines neuen Europawahlrechts würde natürlich als unzulässig abgelehnt, da die Kommission in dieser Sache kein Initiativrecht hat...

    • Hallo Manuel Müller! ich habe mal angefangen Ihre Wahlrechtsvorschläge zu lesen, bin noch nicht ganz durch :). Eine Frage stelle ich mir jetzt schon: sehen Sie hier Chancen auf a) eine Debatte und b) eine Änderung bis zur nächsten Europawahl? Ich finde wir haben es eilig. Europa geht zu langsam. Und transnationale Wahllisten könnten ein echter "Game Changer" sein. Es ist doch ein Anachronismus Europa national zu wählen, ausgerechnet :)

      • Manuel Müller Der (europäische) Föderalist
        +1

        Hallo sahrasahara, ich weiß nicht, ob wir hier eine Nebendiskussion zum Thema Wahlrechtsreform aufmachen sollten... aber ganz kurz: Es gab im Europäischen Parlament schon in der letzten Legislaturperiode einen Vorstoß zur Einführung von transnationalen Listen, der damals vor allem an der Ablehnung der Rechtskonservativen, der Linken und einer Mehrheit der Christdemokraten scheiterte. Die Debatte ist aber seitdem nicht zum Erliegen gekommen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es vor der nächsten Europawahl eine neue Initiative zur Reform des europäischen Direktwahlakts gibt (schon weil die deutsche Bundesregierung dort wohl gerne eine europaweite Sperrklausel verankern würde, nachdem die deutsche nationale Sperrklausel vom BVerfG kassiert wurde). Und ich halte es jedenfalls für gut möglich, dass dann auch ein neuer Anlauf für transnationale Listen folgt. Umso mehr, wenn auch die Öffentlichkeit ein bisschen Interesse an dem Thema zeigt...

        • Hallo Manuel Müller Der (europäische) Föderalist und sahrasahara ,

          die Wahlrechts-Diskussion ist notiert - das heißt, ich werde mal sehen, wie sich da ein diskutabler Text auf Publixphere bekommen lässt, zu dem ihr euch und verantwortliche Akteure sich positionieren können (Vorschläge für Ansprechpartner sind sehr willkommen). Aber natürlich könnt ihr mir auch gern zuvorkommen, indem ihr selbst eine entsprechende Diskussion anlegt :)

          Liebe Grüße aus dem Publixphere-Büro, Alex

  • Nico-Nissen76 ist dagegen
    +2

    Ich habe die ECI immer kritisch gesehen, weil sie nichts anderes als Bittschriften sind - und in einer Demokratie hat das Volk nichts zu bitten, sondern ist der Souverän. Man muss sehen, was die bisher eingereichten bringen.

    • Hallo Nico-Nissen76, in gewisser Weise kann ich verstehen, dass jetzt eine Million EU-Bürger keine Gesetze erlassen können sollten. Aber reine Bittschriften, die politisch und medial keinen Effekt haben sind auch Zeitverschwendung.

      Ich finde die EBI müssen aber den ganzen Apparat sichtbar zwingen, sich dazu zu verhalten und Farbe zu bekennen. Warum ist wer für Wasserprivatisierung? Warum ist wer für embryonale Stammzellenforschung.

      Immerhin haben da eine Menge Bürgerinnen und Bürger viel Zeit (und Geld) reingesteckt. Die erfolgreichen EBI könnten auch eine Rede von Herrn Juncker erzwingen zum Beispiel. So viel Aufwand ist das nicht. Meinetwegen eine Rede im Jahr, in der dann zum Beispiel 10 erfolgreiche EBI aufgegriffen werden. Eine Bürger-Anliegen-Antwort-Rede.

      Auch sind mir die Reaktionen der Parteien noch viel zu wenig. Sie könnten auf den Zug einer Initiative aufspringen oder dezidiert nicht. So wirkt es wie ein großes Missverständnis. Wir Bürger dachten, wir können da mitmachen. Die EU sagt erst "ja gern" und dann am Ende April April.

  • Kurze News:

    Ein Hinweis für alle, die sich für Bürgerbeteiligung interessieren.

    Mit Blick auf die Bilanz des Petitionsausschusses im Bundestag fragt Lars Sobiraj :

    Sind Petitionen für die Tonne?

    Liebe Grüße, Alex (Redaktion)

  • Ich habe noch nie etwas von einer dieser Europäischen Bürgerinitiatven im Text gehört. Und ich halte mich für bestens informiert! :)

    Ist das ein Zeichen?

  • Bingo

    Sehr geehrte Frau Pfafferott, das ist ja noch vorsichtig kritisiert. Ich habe schon überlegt, die "Europäische Bürgerinitiative" in ein "Bullshit-Bingo" für europapolitische Veranstaltungen aufzunehmen. Oft dauert es keine 20 Minuten, bis jemand sich auf dem Podium dazu hinreißen lässt, die EBI als ersten Schritt zu verkaufen, um "Europa näher an die Menschen" zu bringen und eine "Europäische Öffentlichkeit" zu schaffen (Nebenbei: BINGO!).

    Machen wir uns nichts vor. So ist die EBI ein Witz. Sie frustriert doch einfach alle Beteiligten. Sie ist ängstlich konzipiert. Die Kommission gab sich bislang nicht mal besonders viel Mühe dabei, die beiden erfolgreichen Initiativen abzubügeln. Sie müßten wenigstens eine große Debatte im Plenum der Europäischen Parlaments zur Folge haben. Und der Rat müsste auch eine Erklärung dazu verfassen. Das muss richtig rocken. Nur Mut!