Hallo MisterEde, ein paar Gedanken von meiner Seite: 1. das Leverage Ratio der Banken ist in den Jahren vor der Krise angestiegen aber schon einige Jahre vor 2007/8 sehr hoch gewesen. Die europäischen Banken hatten damals höhere Leverage Ratios als die amerikanischen. Wenn das Leverage Ratio wirklich die Ursache war, warum begann die Krise Ende 2007 und nicht schon früher? Und warum begann sie in den USA, wo die Banken WENIGER gelevered waren als in Europa? Die Kapitalanforderungen an Banken sind heute höher als sie es 2007 waren , weil es Konsens ist, dass sie nicht ausreichend kapitalisiert waren. Besser kapitalisierte Banken hätten die Krise wahrscheinlich weniger tief gemacht, aber nicht verhindert. Hohe Leverage Ratios waren ein Katalysator aber nicht die Ursache. 2. Ab 2010 gab es in Europa eine Krise, die in anderen Regionen nicht auftrat und die allgemein als Sovereign Krise bezeichnet wird. Deren Ursachen sind rein europäischer Natur und von der Subprimekrise 2007 zu trennen. Die Einführung des Euro an sich war nicht der Auslöser aber ein System, welches a) unabhängige Fiskalpolitik b) einheitliche Zinsen und c) keine Sovereign Bail Outs hat, ist in Krisen nicht stabil. Daher waren und sind weiterhin institutionelle Veränderungen in Europa notwendig, um eine Wiederholung der Sovereignkrise zu vermeiden. 3. Die Fed unter Ben Bernanke hat nach der Lehman Pleite als das Vertrauen in das Finanzsystem zusammengebrochen ist, mit billigem Geld und Quantitative Easing (Käufen von Wertpapieren auf die Bilanz der Fed) die Kreditvergabe im Gang gehalten und ein noch stärkeres Übergreifen auf die Realwirtschaft verhindert. 1929-1936 als die Fed keine lockere Geldpolitik verfolgt hat, um die große Depression zu lindern ist das GDP der USA 40% (!) eingebrochen, nach 2007 nur etwa 5%. Die aktuelle Niedrigzinspolitik führt sicherlich zu nicht optimal allokiertem Kapital aber alle anderen Politikoptionen wären sehr viel teurer geworden für die Gesellschaft.