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Angstgetriebenes Freund-Feind-Schema


Foto: RedaktionGibt es nur Schwarz und Weiß? Freund und Feind?

Was stimmt grad nicht mit unserer Gesellschaft? Klaas Andreas sieht Angst, Egomanie und Sadismus am Werk...


Ein Beitrag von Klaas Andreas

Unsere Gesellschaft in Deutschland ist mittlerweile nur noch ein Schatten ihrer selbst. Angstgetrieben, duchflutet von Freund-Feind-Schemata, Egomanie und Sadismus. Je schonungsloser, desto erfolgreicher - die neue Maxime unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Nicht, dass mich das sonderlich bedrückt und depressiv sitzen lässt - doch ist es bitter zu sehen, dass jene die "verteidigen" ähnlich agieren, wie die, die "gefährden".

Wie empfindet ihr das gesellschaftliche Klima in Deutschland?


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Kommentare

  • Moos (EUD) vs. neue AfD

    Liebes Forum, von mir eine Frage, weil wir rund um Publixphere schon so viel über den richtigen Umgang mit Pegida und mit der Alternative für Deutschland diskutiert haben, und Klaas Andreas in seinem Text oben vor Freund-Feind-Schemata warnt.

    Gestern hat sich die Europa Union Deutschland (EUD) mit scharfer Kritik gegen die (neue) Alternative für Deutschland gewandt. Die Parteivorsitzende Frauke Petry habe die Pegida des vorbestraften Hitler-Imitators Lutz Bachmann Ende September als eine „richtige und wichtige Bürgerbewegung“ bezeichnet. „Damit ist die AfD Frauke Petrys, Alexander Gaulands und Björn Höckes eine rechtsextreme Partei, ein Fall für den Verfassungsschutz“, so EUD-Generalsekretär Christian Moos. Die AfD sei eine politischen Kraft, die "unsere westliche Demokratie und Werteordnung in Frage stellt".

    Eine wichtige Klarstellung? Oder werden so zu viele Menschen in eine rechtsextreme Ecke gerückt und Fronten der gemeinsamen demokratischen Debatte verhärtet?

    Liebe Grüße, Alex

    • Ja und nein. Auf der einen Seite ist es so wichtig, rechtsextremes Gedankengut zu benennen, wer in Deutschland noch mal "Volksverraeter" skandiert, sollte sich was schaemen. Auf der anderen Seite ist der Ruf nach Verfassungsschutz und Verboten immer das letzte, auch verzweifelt wirkende Mittel. Das heisst dann eben auch, dass wir es mit Gegenrede und Ueberzeugungsarbeit nicht geschafft haben.

    • Bei Pegida stören mich nicht unbedingt Bachmanns Foto oder die Lügenpresse- oder Volksverräter-Rufe, sondern die teils unerträgliche Haltung dahinter – und die ist meines Erachtens weder neu noch hat sich da groß etwas geändert! Souveräner als jene, die nun wie de Maizière scharfe Worte finden, wirkt vor allem Merkel, die von Anfang an auf Distanz zu Pegida war und das schon früh deutlich machte.

      Bei der AfD selbst hat sich jetzt eigentlich nur der Flügel von Petry, Gauland und Co. endgültig durchgesetzt, aber stärker und präsenter war der schon etliche Monate vorher. Die Einschätzung der EUD zur AfD teile ich daher nur bedingt. Vor einem Jahr habe ich die AfD als nationalkonservative bis rechtspopulistische Partei beschrieben (Die AfD macht es sich in der rechten Ecke gemütlich) und auch heute würde ich sie eher dort verorten, also nicht als „rechtsextrem“ einstufen.

      Das macht sie aber nicht weniger gefährlich für eine liberale und offene Gesellschaft, zumal die AfD durch ihre Entstehungsgeschichte ein zusätzliches Potenzial hat. Sie hat nämlich auf ihrem Weg vom Liberalkonservativen hin zur rechten Ecke zahlreiche Menschen mitgezogen, die zwar eine nationalkonservativ Sichtweise haben, sich aber niemals einer rechtspopulistischen oder gar rechtsextremen Partei angeschlossen hätten. Auf diese Basis können Petry und ihre Mitstreiter dank Lucke jetzt aufbauen.

  • Das Klima? Das Klima ist mies. Ich habe gestern die ARD-Reportage Dunkles Deutschland gesehen. Ich habe Schwierigkeiten, diese ganze Dummheit nicht zu verachten. Das bleibt das erste Gefühl. Doch Verachtung hilft gar nichts. Sie hilft auch den Fremdenhassern nicht, dieses Land und diese Demokratie zu lieben, unseren Wohlstand, unsere Buntheit, unsere tausend Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung, die Kunst, die Kultur, die Gemeinschaft, das Licht, raus zu kommen aus dieser geistigen und emotionalen Tristesse und Verwahrlosung. "Dunkeldeutschland" drauf schreiben und düstere Musik drunter legen hilft nicht.

    Franz Beckenbauer war immer die "Lichtgestalt". Jetzt ist er vielleicht in Wahrheit ein Schattenmann. Auch VW ist nicht clean. Sicher ist: nichts ist sicher. Bleiben wir freundlich und einander zugewandt.

    • Deine Fähigkeit, Dich nicht von diesem Klima anstecken zu lassen, ist bewundernswert. Aber ich kann das bei diesem Nazi-Pack nicht (mehr).

  • „Dieser feige Anschlag in Köln ist ein weiterer Beleg für die zunehmende Radikalisierung der Flüchtlingsdebatte.“

    Diese Feststellung des Bundesinnenministers de Maizière ist nach den ersten Erkenntnissen wohl leider richtig. Das von Pegida und AfD geschürte Klima des Hasses trägt seine vergifteten Früchte.